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Die größten Ereignisse, hat Nietzsche einmal gesagt, sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden. Wenn Joachim Feldmeier seinen großen 56-teiligen Holzschnitt Naturgewalten nennt, dann gibt er diesen Titel nicht donnernden Wasser- fällen, tobenden Stürmen oder feuerspeienden Vulkanen, sondern einem Waldstück irgendwo im Allgäu. Feldmeier lehrt uns das Sehen. Öffnet uns die Augen für die gewaltige Kraft des scheinbar Unspektakulären, Schlichten, Banalen. Führt uns auf die grandiose Bühne des Lebens und hebt den Vorhang für ein Stück, das sich täglich vor uns abspielt, ohne dass wir dessen gewahr werden. Feldmeier weckt Bewusstheit für das Leben - und für dessen Zerbrechlichkeit. ...Er zieht uns in eine lichtflirrende Waldlandschaft unbestimmter Tages- und Jahreszeit hinein, die in sanft irisierendem, transparenten Farbenspiel schimmert. Wir wandern zwischen lichten, besonnten Stämmen und zitterndem Laub, ahnen das Kommen und Gehen des Windes und das Flügelschlagen eines Vogels, riechen harzig-modrige, kühle Erde. Mal richtet sich der Blick auf borkige Rinde und knorrige alte Wurzeln, mal schweift er zu hellen Horizonten, die unversehens mit Wasser- oder Schneeflächen zu verschmelzen oder sich in sie zu verwandeln scheinen. Perspektiven verschieben, öffnen oder schließen sich, je nach Blickwinkel. Ein irritierender Zauber, ein fast impressio- nistisches Licht führen in Tiefen, in denen sich das Auge verliert. ......
Mindelheimer Zeitung, August 2001, Ausschnitte aus dem Text von Eva-Maria Frieder
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